Verkehr

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Jörg Schindler: Erdöl billig & reichlich: Der Erfolg des heutigen Verkehrs zehrt seine eigenen Voraussetzungen auf

Auszug aus: Informationen zur Raumentwicklung Heft 12.2009

Die bisherige Dynamik der Verkehrsentwicklung kommt an ein Ende. Der moderne Verkehr ist fossil getrieben (Auto, Lkw, Flugzeug, Schiff). Sein Erfolg beruht auf dem Vorhandensein von reichlichem und billigem Erdöl. Das kommt jetzt an ein Ende. Der fossil getriebene Verkehr ist nicht nachhaltig: Es geht nicht so weiter, weil es nicht so weiter gehen kann! Diese Tatsache ist trivial, aber weitreichend. Sie besagt, dass es nicht darum geht, einen anderen besseren Zustand anzustreben („nachhaltige Mobilität“), weil dies aus vielen Gründen als wünschenswert erachtet wird, sondern dass das bisherige System auch mit allen Anstrengungen nicht fortsetzbar ist. Dies ist das Wesen der Nichtnachhaltigkeit: Es geht nicht um Wünschbares oder Beliebiges oder Voluntaristisches, sondern um eine harte Grenze. Insbesondere spielt es auch keine Rolle, ober wir als Gesellschaft oder als Individuen das gut finden oder nicht. Damit markiert Peak Oil das Ende von “business as usual”. Die Konsequenzen von Peak Oil für den Verkehr werden sofort spürbar, wie sich an der aktuellen Krise der Automobilindustrie zeigt, die mit dem Erreichen des Plateaus der Ölförderung be-gonnen hat. Der Übergang vom fossilen Verkehr zu einer postfossilen Mobilität-Transition in eine postfossile Welt. Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Transition in eine postfossile Welt sein, und Peak Oil ist der Beginn dieser Transition. Was charakterisiert die postfossile Welt, den postfossilen Verkehr? Wird die Zukunft sein wie die Zeit davor, also präfossil? Die postfossile Welt wird sich grundlegend von der präfossilen Welt unterscheiden. Grund dafür sind die Basis-Innovationen des fossilen Zeitalters wie – die Nutzung der Elektrizität,– die Nutzung des vollen Spektrums erneuerbarer Energien,– die Technologien der Datenverarbeitung und der Kommunikation und– das Fahrrad(!).Ein Zwischenschritt: offensichtliche Konsequenzen von Peak Oil. Was heißt das konkret für den Verkehr? Ist Verkehr überhaupt der richtige Begriff? Die erste und unmittelbare Folge wird sein, dass Energie nicht mehr reichlich und billig ist, sondern knapp und teuer. Mit Energie muss im strengen Sinn wirtschaftlich umgegangen werden: Effizienz ist kein hohles Schlagwort mehr, sondern wird eine Notwendigkeit. Und fossile Energiequellen müssen zunehmend und schließlich vollständig durch erneuerbare ersetzt werden.Dies alles führt dazu, dass der Aufwand für den motorisierten Verkehr (die Ortsveränderungen) steigt. Anders ausgedrückt: Der Raumwiderstand, also der Widerstand zur Überwindung das Raums steigt. Damit kehrt sich vieles um, was in der Vergangenheit selbstverständlich war und Grundlage der Planungen bildete. Das Alte bricht weg und wird begleitet von Verlustängsten. Kann man sich unter diesen Bedingungen überhaupt eine attraktive Zukunft vorstellen? Ist jetzt die Zeit der Untergangspropheten (der „doomsdayer“) gekommen? Gefangen im Paradigma des fossilen Verkehrs wird man keinen Ausweg finden.

Vom fossilen Verkehr zur postfossilen Mobilität Die Frage ist, wie wir auch in Zukunft ohne fossile Energien mobil bleiben können. Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir die Verkehrsbrille absetzen, d. h. die Fixierung auf (fossile) Verkehrsmittel und deren Infrastrukturen. Stattdessen müssen wir die Mobilitätsbrille aufsetzen: Es geht um den einzelnen Menschen und seine Mobilitätsbedürfnisse. Und da wir jetzt nichtnachhaltige (weil nicht dauerhaft fortsetzbare und nicht verallgemeinerbare Strukturen) zwangsweise beenden müssen, sollten die Mobilitätschancen für alle Menschen gegeben sein, gemäß dem Nachhaltigkeitsprinzip der Verallgemeinerbarkeit. Was charakterisiert postfossile Mobilität? Mobilität ist erstens Beweglichkeit, zweitens Bewegung und drittens das emotional Bewegende, aber viertens auch das Ankommen und Verweilen. Mobilität geht von den Bedürfnissen der Menschen nach Ortsveränderungen aus. Bei Personen sind dies direkte, bei Gütern und Informationen abgeleitete Bedürfnisse. Damit ist Mobilität Beweglichkeit im Sinne von Potenzialen für Ortsveränderungen von Personen, Gütern und Informationen, außerdem die tatsächliche Bewegung/ Ortsveränderung (Verkehr). Und schließlich beinhaltet der Begriff auch die Emotionen, die konstitutiv für die Mobilität sind (nur Menschen können Emotionen haben). Postfossile Mobilität ist die durch erneuerbare Energieträger, hohe Energieeffizienz und Körperkraft ermöglichte Mobilität von Personen, Gütern und Informationen.Der Übergang vom fossilen Verkehr zur postfossilen Mobilität erfordert einen Perspektivenwechsel:Der Mensch und seine Bedürfnisse stehen dabei im Vordergrund und nicht Verkehrsmittel und ihre Infrastrukturen. Das Ziel sind Mobilitätschancen für alle Menschen, nachhaltig und übertragbar. Stichworte dazu sind

  • eine neue Balance zwischen Nähe und Ferne (die Nähe rückt näher, die Ferne rückt ferner),
  • eine neue Balance zwischen langsam und schnell,
  • Aufwertung der Nähe,
  • angepasste Raum- und Siedlungsstrukturen,
  • Körperkraftmobilität,
  • Gesundheit,
  • emotionale Aspekte aller Formen der Mobilität,
  • Attraktivität und Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume.

Diesen Übergang vom fossilen Verkehr zur postfossilen Mobilität verträglich zu gestalten, ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.

Europäische Kommission

Postfossile Mobilität

Dokumente / Texte

Ereichbarkeitsmodell des BBSR

Elektromobilität

Elektroschock: Erfolgreicher Börsengang, starke Partner, neue Modelle für eine postfossile Gesellschaft: Die einstige Start-up-Firma Tesla zeigt den Weg hin zu einer neuen Automobilkultur. Ein Besuch. SZ 28.3.2011

Seagway in Aachen

Luftverkehr

Luftschiffe

ESSEC Studenten entwickeln ersten solarbetriebenen Zeppelin der Welt 27.07.2009 „Nephelios” startet im August zur Jungfernfahrt über den Ärmelkanal

Erster solarbetriebener Zeppelin der Welt

Mehr als 30 französische Studenten haben in Zusammenarbeit den ersten solarbetriebenen Zeppelin der Welt entwickelt. „Nephelios“ wurde vergangenen Monat im Rahmen der Paris Air Show in Le Bourget vorgestellt. Das innovative und ökologische Luftschiff ist 22m lang, hat einen Durchmesser von 5,5m und erreicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km/h. 100 Jahre nach der ersten Überquerung des Ärmelkanals durch Louis Blériot, startet „Nephelios“ als erstes bemanntes solarbetriebenes Luftschiff Ende August zu seiner Jungfernfahrt. Sol’R ist ein gemeinsames Projekt von Ingenieur- und Wirtschaftsstudenten der ESSEC Business School, des Institut National des Sciences Appliquées, der Ecole Nationale Supérieure d’Arts et Métiers und der Ecole Polytechnique Féminine. Die Studenten haben über ein Jahr an dem Projekt gearbeitet. Das Luftschiff verfügt über halbflexible Solarzellen der neuesten Generation, die auf der Oberseite des Zeppelins angebracht sind. Die so gewonnene Solarenergie betreibt einen elektrischen Motor, der sich hinter der Gondel befindet, an der zwei Propeller angebracht sind.

Luftschiffe werden zukünftig entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Transportmitteln haben, wie ihre Fähigkeit schwere und voluminöse Waren (beispielsweise Antriebsturbinen) transportieren zu können. Ein solarbetriebener Zeppelin ist zudem sehr leise und bietet eine Alternative zu der mit Kohlenstoff betriebenen Luftfahrt.

Arnaud Vaillant, MBA-Student an der ESSEC Business School und einer der drei Initiatoren des Sol'R Projekts: „Wir würden es begrüßen, wenn „Nephelios“ künftig für Forschungs- und Überwachungsaufgaben eingesetzt wird. Langfristig könnte der Zeppelin darüber hinaus für den Warentransport, die Luftüberwachung, den Tourismus und die Telekommunikation genutzt werden.“ Für weiterführende Informationen zum Sol’R Projekt besuchen Sie bitte folgende Internetseite: www.projetsolr.com

Öffentlicher Nahverkehr

Strassenbahn ohne Oberleitung Straßenbahn ohne Oberleitung - Die fahrende Zahnbürste