Ressourcen

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Ressourcen, Peak-Oil und Stabilität

Erdöl-und Flüssiggasförderung. Quelle Peak Oil Portal

Das Dezernat Zukunftsanalyse der Bundeswehr hat eine Untersuchung publiziert, die eine weltweite Instabilität für möglich hält, wenn die Ressourcen knapp werden. " Auf Seite 7 der Peak-Oil-Studie finden sich die Sätze "95% aller industriell gefertigten Produkte hängen heute von der Verfügbarkeit von Erdöl ab" sowie "Eine starke Verteuerung des Erdöls stellt ein systemisches Risiko dar". Dieses "systemische Risiko" wird begründet durch die "vielseitige Verwendbarkeit [von Erdöl] als Energieträger und als chemischer Grundstoff". Nach Ansicht der Autoren "wird so gut wie jedes gesellschaftliche Subsystem von einer Knappheit betroffen sein"......"Die starke Verteuerung und teilweise massive Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs hat unmittelbare Wirkung auf die Funktionsmechanismen und Lebensgewohnheiten moderner industrialisierter Gesellschaften. Wenngleich kurzfristige Engpässe über regulatorische oder freiwillige Maßnahmen gemildert werden könnten („Mobilitätsgutscheine“, „autofreier Sonntag“ etc.), begrenzen insbesondere die Siedlungsstrukturen in den entwickelten Ländern (Leben in der Vorstadt, Arbeiten in der Innenstadt; suburbane Strukturen) eine beschleunigte Transformation im Individualverkehr. Alle damit zusammenhängenden Wirtschaftssektoren würden im Falle starker Einschränkungen in einen Abschwung geraten – von der Automobilindustrie über das Baugewerbe bis hin zum Tourismus. Die „Mobilitätskrise“ würde zu einer neuen Ausprägung der Wirtschaftskrise." Für die Mobilitäts-Infrastruktur auf lokaler und regionaler Ebene sind insbesondere die Kommunen zuständig. Vorbeugendes Handeln würde bedeuten, Peak Oil bereits heute bei stadtplanerischen Vorgängen zu berücksichtigen und Siedlungsstrukturen so auszurichten, daß sie möglichst ohne ölgetriebene Fahrzeuge zurechtkommen. Dieser Blickwinkel mag angesichts der Stadtplanungen der "autogerechten Stadt" der 1960er und 1970er Jahre befremdlich wirken, allerdings ist nicht zu erwarten, dass die PKW-Dichte von heute in der noch verfügbaren Zeit auf Elektromobilität umgestellt werden kann. ....Prävention jetzt!

Die Bundeswehr-Studie enthält ein Tipping-Point-Szenario, bei dem der worst case einer rasanten Preissteigerung beim Erdöl verbunden mit Versorgungsengpässen und einer resultierenden Wirtschaftskrise in relativ kurzer Zeit beleuchtet wird. Dieses Szenario hinterläßt die Schlussfolgerung: "Ein hohes systemisches Risiko ist in Anbetracht des Globalisierungsgrades Deutschlands also auf jeden Fall und unabhängig von der eigenen Energiepolitik gegeben." Daraus läßt sich erneut ablesen: rechtzeitige Vorbereitung ist notwendig!

Die Autoren empfehlen den Aufbau redundanter Strukturen zuungunsten der Effizienz aber zugunsten der Ausfallsicherheit sowie die Förderung der "Selbstorganisation von Bürgern auf lokalem Level": "Die Handlungsfähigkeit Deutschlands und der Bundeswehr hängt von funktionierenden Infrastrukturen ab. Eine gezielte Vorbereitung auf unbekannte Herausforderungen ist schwierig, aber nicht gänzlich unmöglich. Aus systemischer Sicht gibt es hierzu Ansätze aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen, die zu einem gewissen Grad auf die sicherheitspolitische Ebene übertragbar sind. Zunächst sind Analysen von Abhängigkeiten lebensnotwendiger Infrastrukturen und Subsysteme vom Wirtschaftssystem und dem Ölmarkt möglich. Eine bessere Kenntnis und gezielte Reduktion dieser Abhängigkeiten zur Stabilisierung einzelner, besonders wichtiger Subsysteme, kann Handlungsfähigkeit aufrecht erhalten. Beispielsweise kann die Schaffung plattformunabhängiger Kommunikationssysteme mit niedrigem Integrationsgrad in Krisenfällen ein wichtiges Steuerungssystem sein. Auch die Schaffung von Redundanzen ist ein probates Mittel. Häufig erfolgt eine Zentralisierung aus Effizienzgründen auf Kosten der Systemstabilität. Zweifellos kann beispielsweise ein Großkraftwerk effizienter arbeiten als viele kleine Kraftwerke, fällt es jedoch aus, gibt es kein Netzwerk, das es ersetzen kann. Auf gesellschaftlicher Ebene ist deshalb auch eine Stärkung von Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Selbstorganisation von Bürgern auf lokalem Level denkbar, vergleichbar dem Prinzip der Freiwilligen Feuerwehren." Damit greifen die Autoren (bewusst oder unbewusst) die Herangehensweise der Transition-Bewegung auf, die seit einigen Jahren dem Credo folgt, das Peak Oil-Problem lokal anzugehen und die eigenen Kommunen "resilient", also "widerstandsfähig" zu machen. Redundanz, also die mehrfache Auslegung kritischer Infrastrukturen, kennt man aus dem Ingenieur- oder Informatik-Bereich. Dort werden sicherheitsrelevante Bauteile oder Systeme mehrfach installiert, damit beim Ausfall eines Systems ein anderes dessen Aufgaben übernehmen kann und damit den Gesamtausfall verhindert.(Quelle: Peak-Oil-Portal)

Rohstoffe und Entwurfsverhalten

Viele Rohstoffe werden knapp: 50% der Weltkupfervorräte sind bereits verbaut. Oder verbraucht. Die bisherige Produktionsweise und das Entwurfsverhalten, dass Stoffe teilweise untrennbar zusammen fügt, hat keine Zukunft. Künftig müssen möglichst viele Rohstoffe wieder in den Urzustand rückgeführt werden können. Das erfordert für das Produktdesign, für Konstruktion und Entwurf von Häusern, Infrastrukturen, Autos usw. völlig neue Ansätze. So wie bei den Autos, Computern,, Batterien eine Rücknahme-pflicht eingeführt ist, werden auch viele andere Produkte am Ende ihres Lebenszyklus wieder aufbereitet werden müssen. Bedenken Sie, was das für Ihre Entwürfe bedeutet!

Es kommt daher darauf an,ressorcenschonenden Produktions- und Lebensformen zu entwickeln. Für eine Technische Universität ist der Umstieg auf material- und ressourcenschonende Konstruktionen daher unverzichtbar.

Es gibt zu diesem Thema einige Vorreiter,auf die hier verwiesen wird: Das Cradle to Cradle-Design Konzept* und der Ansatz in der Schweiz einer nationalen Politik der Rückgewinnung von Rohstoffen aus Gebäuden und Anlagen.

  • Michael Braungart/ William McDonough: Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things (ISBN 0-86547-587-3) Deutsch: Einfach intelligent produzieren" (ISBN 3-442-76183-2). Hinter dem cradle-to-cradle Konzept (C2C) Konzept steht die Absicht, hochprofitable Produkte zu entwickeln, deren Bestandteile geeignet sind, in biologischen und technischen Nährstoff-kreisläufen zu zirkulieren und so gleichzeitig positive Effekte für Umwelt und Gesundheit haben.

Das Cradl to Cradle-Design Konzept ist durch die Natur inspiriert, in der es keine Probleme mit "Abfall" gibt, in der vielmehr "Abfall" gleichbedeutend ist mit "Nahrung".

"Cradle to Cradle" steht dem "Cradle to Grave"-Modell gegenüber, in welchem Stoffströme, die mit einem Produkt zusammenhängen, allzu oft nicht unter dem Gedanken der Ressourcenerhaltung errichtet sind; in welchem Materialien und Produkte am Ende ihres Weges oft auf Nimmerwiedersehen auf Mülldeponien verschwinden, verbrannt werden oder sich gar in Ökosystemen akkumulieren.

Hinter dem Cradle to Cradle-Design Konzept steht die Absicht, hochprofitable Produkte zu entwickeln, deren Bestandteile geeignet sind, in biologischen und technischen Nährstoffkreisläufen zu zirkulieren und so gleichzeitig positive Effekte für Umwelt und Gesundheit haben.[1]

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Franz Oswald hat an der ETH Zürich die Frage der Zukunft der Ressourcen auf die Stadt- und Landesplanung angewandt. Im Rahmen des Projektes "SYNOIKOS" geht es dabei um die folgende Fragestellung:

Neue «urbane Systeme» wie das Schweizer Mittelland erfüllen aus heutiger Sicht die Kriterien für eine nachhaltige Entwicklung nicht: ihr Ressourcenverbrauch ist zu hoch, die Qualität ihrer urbanen Gestalt ungenügend. Das Projekt SYNOIKOS geht von der Hypothese aus, dass der Weg zu einer «nachhaltigen Lebensform menschlicher Gesellschaften» über den Umbau bestehender urbaner Systeme führt. Projektziel ist die Entwicklung einer transdisziplinären Methode zur Beantwortung folgender Hauptfragen:

– Wie kann ein urbanes System wie das Schweizer Mittelland seine kulturlandschaftliche Lebensqualität auf Dauer steigern und gestalten (Qualitätsziel: «Urbane Gestaltung»)?

– Wie können solche Regionen ihre Ressourcen so nutzen, dass künftige Generationen zumindest gleichwertige Voraussetzungen zur Entwicklung ihres Lebensraumes antreffen (Qualitätsziel: «Nachhaltigkeit»)?

– Wie lassen sich im Laufe von zwei Generationen die morphologischen und physiologischen Strukturen so verändern, dass die obgenannten zwei Qualitätsziele erreicht werden (Prozess: «Umbauen»)? (Quelle: Homepage ETH Zürich http://www.arch.ethz.ch/jahrbuch98/forschung/orl/oswald.html)

Veröffentlichungen zu diesem Thema:

  1. P. Baccini und F. Oswald (Hrsg.), NETZSTADT – Transdisziplinäre Methoden zum Umbau urbaner Systeme, Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt SYNOIKOS der ETH Zürich, Zürich 1998
  2. F. Oswald, «Denkbild Brache. Notizen zur Morphologie der Netzstadt», in: J. Schallhammer (Hrsg.), Keinem seine Gestalt. Stadtentwicklung an der Grenze, Salzburg/München 1997
  3. F. Oswald, «Von Anonymia zu Lakunia. Umbau im Schweizer Mittelland», in: ETH-Bulletin Nr. 262/1996, Zürich

Material

Quellen

  1. http://www.epea.com/deutsch/cradle/konzept.htm