Konsum, Lebensweisen

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In diesen Themenbereich werden Informationen zu energiesparenden und klimafreundlichen Konsum- und Lebensweisen eingestellt.

Jährliche Energieeinsparpotenziale
Vergleich der THG-Intensität von Lebensmitteln bei Betrachtung des gesamten Produkt
Die Folgen des Klimawandels sind sozial und kulturell, nichts anderes

Auf diesen Feldern können Kulturwissenschaftler ihre Fähigkeiten zur Geltung bringen. Naturwissenschaftler sind gewiss mit Komplexität vertraut, aber wenig mit den Deutungs- und Konstruktionsprozessen von Wirklichkeit, die Menschen in normalen wie außergewöhnlichen Zeiten vornehmen. Von der Rolle, die unterschiedliche Gestalten von Kultur für die Wahrnehmung von Problemen und Lösungen spielen, weiß die herkömmliche Klimaforschung professionell wenig, das erwartet auch niemand von ihr. Aber Natur- und Technikwissenschaftlern ist in der Regel sogar der Gedanke fremd, Menschen könnten Situationen hervorbringen, in denen nichts mehr getan werden kann und Gesellschaften scheitern; und es fehlen ihnen meist auch die Vorstellungen darüber, wie unterschiedliche Handlungsebenen, wie kollektive Vernunft und individuelle Unvernunft zusammenhängen oder wie Gefühle in vernunftgeleitete Handlungsabsichten eingreifen, wie also soziale Handlungen entstehen, die kein einzelner Beteiligter je im Sinn hatte und die gleichwohl Bestandteile von Wirklichkeiten bilden und damit wiederum neue Handlungsprobleme aufwerfen.

Ludger Heidbrink in: Die Zeit, 1.11.2007 Nr. 45


Klimawandel als Gesellschaftswandel

Claus Leggewie

In: Aus Politik und Zeitgeschichte 32-33, 2010. 9. August 2010

Themenheft: Klimawandel

S. 41ff

Wird die liberale Demokratie den ge¬fährlichen Klimawandel überstehen und sich weiterentwickeln, oder werden sich, postde¬mokratisch, soziale Kontrolle von unten und autokratische Willkür von oben verstärken? Welche Werte, Einstellungen und Mentalitä¬ten werden eine Welt bei zwei plus X Grad höheren Durchschnittstemperaturen als vor dem industriellen Zeitalter charakterisieren? Wird die wirtschaftliche und finanzielle Glo¬balisierung weiter vorangeschritten sein oder die globale Interdependenz abgenommen ha-ben? Werden Staaten, private Organisatio¬nen und Individuen über Kultur- und Reli¬gionsgrenzen hinweg enger kooperieren oder sich stärker abschotten und gegeneinander in Stellung bringen? Wird es um 2050 überhaupt noch Nationalstaaten geben oder eine (wie auch immer legitimierte) Weltregierung? Ist die zivilisatorische Maxime friedlicher Kon¬fliktaustragung zu halten, oder werden Na¬turkatastrophen Verarmung, Massenflucht und „Klimakriege“ auslösen.

Die „großen Fragen“ lassen sich auf kon¬krete Alltagssituationen herunterbrechen: Wie werden sich neun oder zehn Milliarden Menschen, der größte Teil davon in Städten, fortbewegen, womit werden sie Fahrzeuge betreiben und Lasten transportieren, Behau¬sungen heizen und kühlen, wovon werden sie sich ernähren, wie werden sie den Boden nutzen? Neben den harten Daten der Klima¬forschung und der Energieprognostik gibt es bisher kaum „weiche“ Szenarien zur sozialen, politischen, ökonomischen und normativen Entwicklung in den verschiedenen Weltre¬gionen. Und wo sie berechnet werden, wer¬den meist nur Tendenzen der jüngeren Ver¬gangenheit fortgeschrieben; nur gelegentlich finden sich in den Transitionsstudien Ab¬weichungen von den Pfaden des eingefahre¬nen Modernisierungsmodells – mal par force des choses, weil die Autoren schwere Verwer¬fungen kommen sehen, mal voluntaristisch als Skizze wünschenswerter Zukünfte einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung der Weltgesellschaft.

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Nun darf man sich Gesellschaften, die den Folgen des Klimawandels ausgesetzt sind, nicht als bloße Resonanzkörper technischer Innovation und politischer Planung vorstel¬len. Sie ändern sich mit und verändern so die Ausgangslage jeder Intervention, sie produ¬zieren regelmäßig unbeabsichtigte Folgen politischen Handelns und ganz ungeplan¬ten Wandel und entziehen sich beharrlich dem Rationalitätskalkül der technisch-in¬strumentellen Vernunft. Mehr noch: Ohne breite freiwillige Mitwirkung der „Men¬schen draußen im Lande“, ohne Laienver¬stand, aktive Bürgerinnen und Bürger und eine kritische Masse von change agents sind Regulierungen, Investitionen und Mobilisie¬rungskampagnen zum Scheitern verurteilt, wird es immer wieder Vollzugsdefizite, In¬vestitionsruinen und Widerstände geben. Während zum Beispiel gerade am „grünen Tisch“ ein transkontinentales Energienetz vom Nordkap bis in die Sahara geplant wird, dessen Realisierung ungekannte Infrastruk¬tureingriffe verlangen würde, beobachten Bürger mit Staunen und Verdruss, wie lange sich eine schlichte Kanalreparatur an einem öffentlichen Platz oder eine Erschließungs¬maßnahme in der Nachbarschaft hinzieht. Das heißt: Jede Technik ist sozialförmig, jede Innovation kontextabhängig, jede Politik be¬gründungspflichtig.


Klimawandel: Das Ende der geotopologischen Identität

Birger P. Priddat

Auszug aus: Klimakulturen. Soziale Wirklichkeiten im Klimawandel. Hrsg. Harald Welzer; Hans Georg Soeffner; Dana Giesecke. Frankfurt/New York 2010

Berichte, Analysen

Repräsentativumfrage zu Umweltbewusstsein und Umweltverhalten im Jahr 2010, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und Umweltbundesamt (UBA)