Programm

Aus Klimaportal RWTH Aachen
Wechseln zu: Navigation, Suche

An der RWTH Aachen - in Verbindung mit der Stadt Aachen, Städteregion Aachen und wichtigen weiteren Akteuren - wird ein integriertes Handlungsprogramm zur Anpassung der Region an den Klimawandel entwickelt. Das Projekt hat das Ziel, allen relevanten Akteure eine gemeinsame Plattform zu geben, mit der sie die eigenen Beiträge und die aller anderen Akteure einschätzen und ihre eigenen Beiträge zielgenauer gestalten können. Das Projekt hat zugleich das Ziel, mit der Forschungskapazität der RWTH neue und verbesserte Lösungen für Teilbereiche der Aufgabe zu entwickeln. Wir verstehen das Vorhaben auch als Modell dafür, ob eine so breite Akteurskoordination möglich ist. Es sollte im Erfolgsfall auf andere Stadtregionen übertragbar sein. Weiter unten folgt der Aufriss des Konzeptes.

Zum Vorhaben:

Organigramm

Das Konzept besteht aus 5 grundlegenden Elementen:

  1. Koordination der Akteure und Massnahmen für die Städteregion Aachen (500.000 EW)
  2. Entwicklung einer integrierten Gesamtstrategie
  3. Entwicklung von integrierten Strategien und Massnahmen für die verschiedenen Problemcluster
  4. Breite Öffentlichkeitsarbeit, zentral und dezentral
  5. Umsetzung in abgestimmten Gesamt- und Teilprojekten.

Das folgende Schema zeigt die angestrebte Organisationsstruktur:


Vorträge zum Programm

Gerhard Curdes: City and climate change. Elements for a general strategy. Lecture at the 26th Umbrella Symposium for the Development of Joint Cooperation Ideas “Sustainable Urban Development” RWTH-Aachen/Technion Haifa - 18-20.3.2012

Gerhard Curdes: Urban Morphology and climate change. Fakultät für Architektur, Buenos Aires 11-2011

Gerhard Curdes: Vortrag Klimwawandel und Städtebau. Wissenschaftsnacht der RWTH am 11.11.2011

Gerhard Curdes: Was bedeutet der Klimaschutz für das Leitbild der Stadt? Vortrag auf dem Stadtplanertag mit dem Thema „Stadt im Klimawandel“ der Architektenkammer NRW am 23.September 2011 [2]

Gerhard Curdes: Urban Morphology and climate change. Which morphology can survive? Lecture at the 17th Conference International Seminar on Urban Form - ISUF - Hamburg 8/2010

Gerhard Curdes: Vortrag vor dem Ausschuss für Umwelt und Klima der StädteRegion Aachen am 24.2.2010

Weitere Vorträge

Kurzfassung: Programm und Ziel CO2 neutrale Städteregion Aachen 2050

CO2 neutrale Städteregion Aachen 2050 - Anpassung der Region an den Klimawandel

Ziele: Was haben wir vor?

Den Energieverbrauch in Stadt und Region Aachen so stark wie möglich zu minimieren und dabei die CO2 Emissionen bis 2050 gegen Null zu bringen, zumindest aber eine CO2-Neutralität zu erreichen.

IST-Bilanz: Wo stehen wir?

Energie- und CO2 Bilanz 1990-2010
CO2 Bilanz Aachen

"Endenergiebilanz und Primärenergiebilanz (LCA) Die Endenergiebilanz umfasst den Energiebedarf innerhalb des Bilanzierungsraums Stadt Aachen (Stadtgrenze). Es war ein Anstieg des Endenergieverbrauchs (ohne Verkehr) von 4676 GWh auf 5066 GWh (2010) zu verzeichnen (+390 GWh; +8,3%). Die kalte Witterung im Jahr 2010 hatte sich somit deutlich auf den Wärmebedarf der Stadt ausgewirkt. Der Erdgasverbrauch stieg gegenüber 2009 um 14,4% an, der Fernwärmebedarf ist um 12% ebenfalls gestiegen. Der Stromverbrauch stieg um 2%, was zum Teil auch auf die kalte Witterung zurückzuführen ist (Heizstrom). Nach der Witterungskorrektur (für Erdgas und Fernwärme) ergibt sich ein leichter Rückgang der Energiebilanz um -0,4% gegenüber 2009. Die Primärenergiebilanz (LCA) ohne Witterungskorrektur zeigt einen Anstieg von 9.528 GWh auf 10.029 GWh (+501GWh, +5,3%) in 2010, witterungskorrigiert stieg die Bilanzsumme aber nur von 9.707GWh auf 9.716 GWh (+0,1%). Insgesamt ist der erhöhte Energiebedarf der Stadt größtenteils auf die kalte Witterung zurückzuführen, in geringerem Maße auch auf die Entwicklung der Einwohner- und Beschäftigtenzahl (konjunkturbedingt) sowie auf die gestiegene Zahl an Kraftfahrzeugen zurückzuführen. (Tab. 1) 3 CO2-Emissionen Die aus der Primärenergiebilanz resultierenden Emissionen stiegen gegenüber dem Vorjahr von 2,072 Mio.t auf 2,158 Mio.t (+4,1%). (Abb.1) Die Witterungskorrektur relativiert auch diese absoluten Werte. So stieg der Primärenergieverbrauch witterungsbereinigt um 0,1%, die daraus resultierenden Emissionen sanken witterungsbereinigt geringfügig von 2,100 Mio.t auf 2,089 Mio.t. (Abb.2) Insgesamt befindet sich Aachen noch auf dem eingeschlagenen Absenkungspfad der letzten Jahre, wenn auch eine leichte Abbremsung sichtbar ist. Der Endenergieverbrauch lag witterungsbereinigt um 10% unter dem Verbrauch von 1990, der CO2-Ausstoß witterungsbereinigt sogar 17,9% unter dem Wert von 1990. Die Emissionen pro Einwohner lagen im Jahr 2010 bei 8,5 t CO2 (gegenüber 10 t CO2 in 1990)." Quelle: Homepage Stadt Aachen

Retrospektive: Was ist bisher gelaufen?

Es gab und gibt zahlreiche Einzelprojekte, die noch nicht zentral erfasst sind. Sie sollten räumlich und in ihrer Charakteristik erfasst und in ihren Wirkungen quantifiziert werden Katalog der bisher geleisteten Vorarbeiten erstellen

Potenziale: Was ist möglich?

1. Integration des Wissens und der Handlungsfähigkeiten von Stadt, Städteregion, RTWH, FH, FZ Jülich, STAWAG, ASEAG, IHK, Energy-Hills, themennaher Büros und Unternehmen in ein inhaltlich und zeitlich abgestimmtes Handlungsprogramm

2. Nutzung des Wissenspotenzials der RWTH, der FH und des FZ Jülich zur Entwicklung neuartiger Lösungen

3. Nutzung des Kreativitätspotenzials von Studierenden für lokalspezifische (Probe-) Lösungen und Prototypen

4. Ein Handlungsverbund von Gebietskörperschaften und Forschungseinrichtungen sichert Lösungen auf einem jeweils aktuellen Forschungsstand und wäre ein besonderes Alleinstellungsmerkmal

Trend- und Zielszenarien Wo soll es hingehen?

Klima: Regionale Szenarien Hochwasser, Wind, Starkregen, Trockenheit, Überhitzung...

Bevölkerung/Wirtschaft:

Projektion der Entwicklungspfade von Bevölkerung, Infrastruktur und Wirtschaft und deren räumlicher Verteilung..... Versorgungsdienste: Langfristig wirtschaftlich bedienbare Siedlungsbereiche (Wasser, Abwasser, Strom, Mediendienste, öffentlicher Verkehr, Entsorgung, Reinigung, Kindergärten, Schulen....)

Stadtstruktur:

Regionale Szenarien Energieverbrauch, solare Eignung, geothermische Eignungen, Windenergie, großräumiger Windschutz, Langfristig zu haltende bzw. aufzugebende Siedlungsbereiche, Verdichtung, Entdichtung, Kühlung...

Baustruktur:

Modellbeispiele zur energetischen und funktionellen Modernisierung von typischen Altbaubeständen aller Perioden und Bautypen. Beispiele von Kostenstrukturen und Kostenminderung durch gebündelte Erneuerung im Taktverfahren .....

Verkehr:

Szenarien der Verkehrs- und Emissionsentwicklung, unterschiedlicher Verkehrslösungen und ihrer Kosten- und Verhaltenskonsequenzen. Szenarien zur Elektromobilität.....

Energie:

Szenarien zur Energieeffizienzsteigerung. Energieerzeugungskapazitäten für Wind-, Geothermie-, und Solarenergie. Szenarien zur Wasserstoffproduktion und zu Kleinkraftwerken....

Land- Forstwirtschaft:

Verringerung des Rindviehbestandes, Vermehrung der Waldflächen, Rohstoffanbau und -potenzial für Biokraftstoffe, Holzpellets....

Maßnahmenpaket: Wie kommen wir dahin

1. Organisation

  • a. Bildung einer Steuerungsinstanz
  • b. Abstimmung aller größeren Forschungen und Maßnahmen
  • c. Einbindung von Ämtern, Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen, Instituten, Studierenden, Büros in den Lösungsprozess
  • d. Förderanträge in den unterschiedlichen Feldern

2. Regionale und lokale Netzwerke der Zusammenarbeit

3. Regionale und lokale Dialogforen zur Organisation des Wandels

4. Regionaler Strategieplan

5. Masterplan Klimaentwicklung und Klimaschutz

6. Masterplan Raumstruktur

7. Masterplan Energie

8. Masterplan Verkehr

9. Lokale Masterpläne Baustruktur und energetischer Umbau

Aktionsplan / Beteiligung: Wer macht mit?

1. Beteiligung:

Stadt, Städteregion, RTWH, FH, FZ Jülich, STAWAG, ASEAG, IHK, HWK, Energy-Hills, Bau- und Wohnungsgesellschaften, Unternehmen und Betriebe, Architekten und Ingenieurverbände, themennahe Büros, Hausbesitzer, Bevölkerung

2. Räte und Verwaltungen

3. Masterplan Information und Beteiligung:

Parallel zum Prozess laufende Veranstaltungen zur Information, Weiterbildung und Beteiligung der Bevölkerung, Info- und Prozessportal

4. Nebenziel: Die Region Aachen als Lern- und Modellregion zur Bewältigung des Klimawandels.

Controlling: Bewegen wir was?

1. Fortschrittsberichte auf dem Informationsportal

2. Regionale und lokale Handlungsprogramme

3. Regionale und lokale Jahresfortschrittspläne

GC 11/09


Das Programm in einem breiteren Kontext:

Langfassung: CO2 neutrale Städteregion Aachen 2050

Gerhard Curdes, 9 / 2009

Veränderte Rollen der Städte

In den letzten 30 Jahren haben sich die äußeren Bedingungen der Städte mit der zunehmenden Beschleunigung (Internet, Flug- und Containerverkehr, Finanzströme) enorm verändert. Einige Metropolen sind zu Global Cities, zu Weltstädten herangewachsen. Die Globalisierung spielt sich heute vor allem zwischen einigen dieser Weltstädte ab. Diese aber benötigen als Unterbau für ihre Funktion eine effektiv organisierte regionale, nationale und kontinentale Umwelt. Denn die Produkte der Globalisierung werden vorwiegend außerhalb dieser Weltstädte entwickelt und hergestellt. Es kommt daher darauf an, dass die Informations- und Materialströme mit großer Zuverlässigkeit funktionieren und Wissen und Innovationen konstruktive Rahmenbedingungen finden, um entstehen und umgesetzt werden zu können. Eine auf den westlichen nationalen und kontinentalen Großräumen liegende historische Last sind die historisch gewachsenen Raumstrukturen, das politische, administrative, ökonomische, das rechtliche und das Bildungssystem, deren Beharrungsstrukturen im Konflikt mit der Beschleunigung stehen, in der sich die Maßstäbe und die Anforderungen an die Effizienz und Modernisierungsfähigkeit dieser Teilsysteme verändern.

Hinzu kommt, dass sich zwei grundlegende Veränderungen abzeichnen: Das Ende der Rohstoffe und der Wandel des Klimas. Knappheit kann noch einige Zeit mit Geld kompensiert werden. Aber alle Regionen, die dies nicht können, stehen vor gewaltigen Problemen. Regionen, die auf den Wandel der Anforderungen unzureichend reagieren können, weil ihnen durch lang dauernde Altlasten, Finanzknappheit, Abwanderung, Überalterung, mangelhafte Ausbildung etc. die Potenziale für den Anschluss fehlen, können in ernsthafte Existenzprobleme geraten. In Teilgebieten im Osten Deutschlands sind solche Anzeichen schon erkennbar.

Der Klimawandel und die Notwendigkeit, die Städte, die urbanisierten Regionen, Produktions-, Konsumtions- und Lebensweisen grundlegend umzustellen, erfordert daher von allen Räumen, insbesondere aber den urbanisierten Regionen eine enorme Beschleunigung ihrer Problemerkennungs- und Handlungsfähigkeiten. In einem solchen „Bedrohungszenario“ stecken aber auch Chancen: Dann nämlich, wenn die Akteure des Raumes sich auf ein radikales Umbauprogramm einigen und fällige strukturelle Bereinigungen energisch und koordiniert durchführen. Damit beschäftigt sich dieser Vorschlag im Hinblick auf die Aufgaben im Zuge des Klimawandels im regionalen Maßstab am Beispiel einer Region, die Modell für andere sein könnte.

Klimawandel

Wenn das Klima sich im Mittel um 6 Grad erhöht, ist die menschliche Zivilisation zu Ende. Die entwickelten Länder haben maximal noch etwa 40 Jahre Zeit, um ihre CO2 Emissionen um 80% oder mehr zu senken. Das nun von den Regierungen anvisierte Ziel, die Klimaveränderung bei 2 Grad im Mittel zu stabilisieren, ist keineswegs gesichert. Es kommt daher nicht nur auf die Regierungen, sondern auch auf alle anderen Entscheidungsträger bis hin zu den Bürgern an, mit dem Handeln jetzt auf breiter Front zu beginnen. Dem Ernst der Lage entsprechend warnt daher das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Nicht-Handeln ist nicht zu entschuldigen“[1] Mit jedem Jahr Verzögerung wird der notwendige Einsparungsumfang größer und daher unrealistischer. Es muss jetzt begonnen werden! Es ist erstaunlich, ja eigentlich kaum fassbar, dass nicht ein Ruck durch die Gesellschaft, die Städte, die regionale Politik und durch die Fachgremien geht, das Notwendige nun zu tun. Warnungen gibt es genügend. Sie dringen aber oft nicht in die Tagesnachrichten und in die Tagespresse durch, wie etwa die folgende: „Nach Einschätzung von Klimaforschern in einer aktuellen Expertenbefragung werden bei ungebremster globaler Erwärmung mit mehr als fünfzig Prozent Wahrscheinlichkeit folgenschwere Veränderungen auf globaler Ebene eintreten. Steigt die globale Durchschnittstemperatur um mehr als vier Grad Celsius, könnten bis zum Jahr 2200 ein oder mehrere Bestandteile des Klimasystems in einen neuen Grundzustand übergehen“.[2]

Wo ist strategisch anzusetzen? Zunächst zwei Hinweise aus der aktuellen Diskussion:

Städte...sind für 80 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich - aber tun nicht genug gegen den Klimawandel und sind gegenüber seinen Folgen kaum gewappnet. Nach Ansicht des WFC...müssen die Städte selbstständig einen Plan erarbeiten, wie sie ihren Energiebedarf langfristig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen decken können. Dies sei keine Utopie....Prinzipiell seien Städte in der Lage, auf Dauer so viel Energie aus Sonnen- und Windkraft oder Biomasse zu erzeugen, dass sie damit nicht nur sich selbst, sondern sogar auch ihr Umland versorgen könnten.[3]

„Klimaschutz muss in den Städten beginnen. Städte sind in Summe die größten CO2-Emittenten. Zugleich sind sie dank der Konzentration von technischem Wissen auch Schmelztiegel des Fortschritts, die neue Sichtweisen und Lösungen generieren. Die EU-Umweltminister haben das Ziel formuliert, den Treibhausgasausstoß bis zur Jahrhundertmitte weltweit um mehr als 50 Prozent und damit auf durchschnittlich weniger als zwei Tonnen pro Kopf zu reduzieren. Dieses Ziel lässt sich für eine Großstadt wie München mit heute bekannten Technologien erreichen und sogar übertreffen“.[4]

Städte sind daher einer der wesentlichen strategischen Ansatzpunkte für eine Klimastrategie. Andere Ansatzpunkte liegen in der Entwicklung der Technologien, die Wind, Erdwärme und solare Einstrahlung in Energie umsetzen. Der Sektor Verkehr (Auto- und Flugverkehr) steht vor tief greifenden technologischen Veränderungen der Antriebe. Bei den Städten und in der Wirtschaft ist bekanntlich einer der wichtigsten Ansatzpunkte die Energieeinsparung durch bessere Techniken.

Das bisher anvisierte Reduktionsziel von 50% bis zur Jahrhundertmitte wird nicht reichen, weil die Schwellenländer für sich einen größeren CO2 Anspruch erheben, als von den entwickelten Ländern vorgesehen. Die Reduktionen der entwickelten Länder müssen daher den berechtigten Anspruch der Schwellenländer durch weitaus höhere eigene Reduktionen ausgleichen. Die Zielmarke einer CO2 freien Städteregion Aachen bis 2050 ist ehrgeizig. Ehrgeizige Ziele wirken aber als Prozessbeschleuniger und als Koordinatoren des Handelns. Daher sollte die Zielmarke nicht zu niedrig liegen.

Beide oben gemachten Aussagen, dass bei den Städten zu beginnen ist, gelten auch und besonders für die Agglomerationen Europas, die großen Ballungsräume in Deutschland, aber auch für die mittelgroßen Verdichtungsräume, wie etwa Krefeld, Münster und Aachen.

Zur Frage des “richtigen” Weges steht im Copenhagen Report 2009: “Thus, in 2009 society cannot pre-cisely determine the “right” or the “best”pathway all the way to 2050 and beyond. There will be technological, societal and value changes in the future that will cause the trajectory to change. There should be no penalty for not getting it absolutely right the first time. The most important task is to start the journey now. The first steps are to generate a broad dialogue at all levels of society and to build a consensus on the need to act. Quite probably, when it comes to responding to human-made climate change, the “only action that is inexcusable is to take no action at all”[5]

Es kommt daher nicht darauf an, mit welcher Wahrscheinlichkeit irreversible Klimaveränderungen eintreten, weil, wenn sie trotz anderer Vorhersagen schon bei niedrigeren Schwellen eintreten würden, verstärkte Einsparung nichts mehr daran ändern könnte. Mit anderen Worten: Wir können uns nicht leisten, uns nach der Methode des „Mouddling Trough“ durch das Problem durchzumogeln. Da die fossilen Vorräte endlich sind, kann es allen Folgegenerationen nur nützen, wenn soviel wie möglich davon für andere Zwecke als zur Energieerzeugung erhalten werden. Es gebietet schon unser Sicherheitsbedürfnis, bei der Zunahme von Störungen der Energieversorgung durch Terrorismus oder durch Zahlungsprobleme der Ukraine eine von äußeren Umständen weniger abhängige Energieversorgung zu entwickeln. Schließlich fließen enorme Anteile des Volkseinkommens in die immer knapper und teurer werdenden mineralischen Rohstoffe, insbesondere für Treibstoff und Heizöl. Ein schneller Umstieg hat daher ein ganzes Bündel von Vorteilen.

Beispiele zum Klimawandel

Inzwischen liegen von der Seite der Forschung und auf verschiedenen Handlungsebenen eine Fülle von Grundlagen und angewandten Lösungen vor, auf denen aufgebaut werden kann. Einige Regionen sind in der Umsetzung schon sehr weit fortgeschritten. Dazu einige Beispiele:

In einer Studie hat das Wuppertal-Institut[6], gefördert von Siemens für die Stadt München errechnet, dass die Stadt ihre CO2 Emissionen bis 2050 um 90% reduzieren kann, ohne eine Einschränkung des Lebensstandards. Dies sei möglich durch:


  • „optimierte Wärmedämmung der Gebäude
  • regenerative und CO2-arme Energieerzeugung
  • effizienten Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung
  • sparsame Elektrogeräte + Beleuchtungssysteme
  • verstärkte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Elektrofahrzeuge für den innerstädtischen Verkehr“.


Andere Regionen sind weit vorangeschritten. Beispiel Schweiz: An der ETH Zürich wurde das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft entwickelt[7]. Zur 2000 Watt-Gesellschaft Zürich haben die Stimmberechtigten am 30. November 2008 Ja gesagt. Das bedeutet, dass sich die Stimmbürger einer Großstadt mit dem Problem des Klimawandels befasst und abgestimmt haben, dass ein Verbrauch von 2000 Watt je Kopf das Zukunftsziel für die Züricher Energiepolitik sein wird. Soweit erkennbar, ist in keiner deutschen Stadt eine solche Debatte geführt worden. Auch die Stadt Basel hat sich dieser Richtung angeschlossen. In Deutschland hat der Rhein-Siegkreis eine flächendeckende Untersuchung des Potenzials an Flächen für Solar- und Windenergie sowie Geothermie von einem österreichischen Institut erarbeiten lassen.[8] Solche Grundlagen werden für alle urbanisierten Räume benötigt. Das Bundesumweltministerium fördert mit dem Programm KLIMZUG sechs große Räume, u.a. die Region Hamburg, um Maßnahmen für den Klimawandel großflächig einzuleiten. Auch auf der Bundesebene laufen Arbeiten, den rechtlichen und sachlichen Spielraum auszuloten, um auf kommunaler Ebene die Energiepolitik zu unterstützen. Ecofys hat dazu im Februar 09 eine Studie zu den Handlungsmöglichkeiten des Bundes für die Kommunen vorgelegt[9], das einen Rahmen für Beschleunigungsmaßnahmen aufzeigt. Es gibt also Bewegung in diesem Feld, die aber noch nicht zu den notwendigen Maßnahmen in allen Großstädten und Ballungsräumen geführt hat.

Ein Programmvorschlag

Nachfolgend skizziere ich einen Programmrahmen, der einem breiten Klimabündnis in urbanisierten Regionen zugrunde gelegt werden könnte.

Grundsatzfragen
  • Wie zukunftstauglich sind die Stadt- und Raumstrukturen?
  • Wie zukunftstauglich ist das Transportsystem, insbesondere der Straßentransport?
  • Wie zukunftstauglich sind die Gebäude?
  • Wie zukunftstauglich ist die Flächennutzung und das Produktionssystem?
  • Und schließlich: Wie zukunftstauglich sind die aktuellen Lebensweisen und Gewohnheiten?

Alles dies gehört auf den regionalen „Prüfstand“. Dies ist aber nicht allein eine Aufgabe der Fachdiskussion. In den Prozess muss die Bevölkerung aktiv einbezogen werden. Claus Leggewie beschäftigte sich kürzlich mit der Frage, wie krisenfest die Demokratie bei der Lösung der Klimafrage eigentlich ist und befürchtet, dass Demokratien auf Klimaprobleme ebenso fatal reagieren könnten wie Autokratien, weil sie systematisch die Zukunft vernachlässigten. Umgekehrt wäre es für die Zukunft von Demokratien gefährdend, wenn autokratisch regierte Länder wie z.B. China in der Klimapolitik stringenter und erfolgreicher vorangingen, als die an umfängliche Prozeduren gebundenen westlichen Staaten. Er fordert daher: „Neben grundstürzenden Veränderungen des Alltagsbewusstseins erfordert sie (die Klimapolitik) die „Weisheit der Vielen“, also eine neue politische Kultur der Teilhabe. Das Verursacherprinzip beim Klimawandel muss so gewendet werden, dass eine aktive Bürgerschaft auch bei der Bewältigung des Problems demokratisch mitwirken kann... Das Projekt klimaverträgliche Gesellschaft muss kulturell eingebettet sein“[10]

Wäre dies nicht die Brücke zwischen dem Klimaproblem und den regionalen Gesellschaften? Was wäre eine Kultur noch Wert, wenn sie durch Ignoranz des Klimaproblems keinen Zukunftsbestand haben würde? Daher gehört das Klimaproblem in eine Kulturdiskussion, die neben dem Rückblick auch den Ausblick wagt.

Ein Gelenk zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft könnten Szenarien sein, die die unterschiedlichen Folgen des Klimawandels anschaulich und regional differenziert thematisieren. Eine Grundlage dazu hat das Land NRW bereits mit seinem Bericht „Klimawandel in Nordrhein-Westfalen, Wege zu einer Anpassungsstrategie“[11] zur Verfügung gestellt. Weitere Rahmenansätze etwa zur Energieeffizienten Stadtentwicklung finden sich im Stadtentwicklungsbericht 2008[12]. Allein die Karte der Mittelfristigen Entwicklungspotenziale von Städten und Gemeinden zeigt, in welchem Transformationsprozess die verdichteten Räume noch kommen werden. Das, was wir in manchen ostdeutschen Städten an Problemen der Schrumpfung schon haben, wird auch auf Teile der Verdichtungsräume und der ländlichen Räume zukommen. Alle auf der Abb.1 blau markierten Städte werden nach der Prognose mit negativen Entwicklungspotenzialen zu kämpfen haben, während die Randzonen noch zunehmen.


Programm Deutschlandkarte.jpg

Abb.1 Mittelfristige Entwicklungspotenziale 2005-2025 von Städten und Gemeinden (Quelle: Karte 16, Städtebaubericht 2008, Webfassung)


Die zu erwartende Bevölkerungsabnahme mindert die finanziellen Spielräume bei gleichzeitiger Erhöhung der Kosten zur Sicherung leer fallender Stadtbereiche, unterausgelasteter Infrastrukturen und erhöht die Anforderungen an Integrations- und Sicherungskosten. Verbände man diesen Prozess mit einer aktiven Strategie der Strukturbereinigung und des energetischen Umbaus, würden auch die Chancen sichtbar, die im Rückbau von Stadtbereichen und Siedlungselementen liegen, die nicht mehr zukunftsfähig zu verbessern sind und die besser rechtzeitig aufgegeben würden. Dies alles erfordert jedoch Vorarbeiten, Meinungs- und Willensbildung, öffentliche Dialoge und damit Zeit, die inzwischen knapp wird für solche Umbaustrategien. Dennoch liegen hier große Chancen um zu einer zukunftsfähigen strukturellen Grundlage der verdichteten Regionen zu kommen..

Wir sollten daher in allen Regionen Gelegenheiten herbeiführen, bei denen die Menschen mit “Meinungsmachern“ und Multiplikatoren zusammentreffen, um das Thema der Erhaltung und Fortentwicklung unserer Bau- und Industriekultur, unserer Alltags- und Festtagskultur, unserer Kulturlandschaften und Kulturgüter im Schatten des Klimawandels konstruktiv zu diskutieren.

Etwa folgende Fragen und Szenarien könnten einer solchen Diskussion zugrunde gelegt werden:

Welche Zukunft haben wir vorgesehen?
  • Welche Szenarien legen wir zugrunde?
  • Was ist zu erwarten?
  • Was könnte eintreten?
  • Worauf sind wir vorbereitet? (Wochenlang ohne Strom? Monatelang ohne Heizung? Monatelang ohne Benzin? Urbane Hitzeinseln mit zahlreichen Toten? Immer mehr Starkregen und Hochwasser?)

Oder geht unser stillschweigendes Szenario davon aus, dass schon nicht viel passieren wird? Dann sind wir selbst das Problem. Dabei formen längst zahlreiche Veränderungsprozesse, unterhalb und innerhalb unserer Wahrnehmung die künftigen Strukturen.

Welche Veränderungsprozesse finden schon statt und welche könnten eintreten?
  • Schleichende Mikroveränderungen
  • Abrupte Umbrüche
  • Klimatische Ereignisse nehmen zu (Starkregen, Trockenperioden, wärmere Winter, kühlere Sommer, subtropische Feuchteperioden)
  • Klimabedingte Zuwanderung
  • Demographiebedingter Bevölkerungsrückgang
  • Überalterung
  • Entleerung peripherer Regionen
  • Verstärkte ökonomische Krisen
  • Anstieg der Arbeitslosen
  • Noch stärkeres Wohlstandsgefälle
  • Innere und äußere Verwahrlosung

Veranstaltungen mit führenden Klimaforschern könnten einen Rahmen bilden für die Diskussion der Zukunftsfähigkeit einzelner Bereiche der Region. Was ist in den verdichteten Kernbereichen zu erwarten? Welche Lösungsstrategien sind möglich? Was passiert mit den Rändern? Den Zwischenräumen? Hier ginge es um den großen Überblick, Bewusstseinsbildung. In Folgeveranstaltungen könnten die Strategien, die Lösungswege für die verschiedenen Elemente des notwendigen Wandels behandelt werden: Lösungen für die industriellen Prozesse und für Altbaubestände, Lösungsrichtungen für die Ordnung des Siedlungsgefüges, Lösungen für Verkehr und Flächennutzung. Auch erreichbare Zielvorstellungen haben einen Einigungs- und Beschleunigungseffekt. Es geht daher bei öffentlichen Dialogen auch darum, die Chancen aufzuzeigen. Dabei kann auf vielem aufgebaut werden, was auf der Landes- und Regionalebene sowie in den Städten schon vorhanden ist.

Welche Chancen liegen in einem entschlossenen energetischen Umbau?

Welche Chance böte sich für die Region, eine Vorreiterrolle bei diesem Thema einzunehmen. Es wird europaweit Besucher anziehen sowie Berichte und Informationen geben. Zudem bietet sich gerade für einen Raum, der teilweise auf der Basis der Energie aus Kohle überhaupt erst entstand, die Chance, zu einer Energieregion der Zukunft zu werden. Symbolisch spiegelt sich dies in zwei entgegensetzten Dimensionen: Während die Kohle aus der Tiefe kam, kommt die moderne Form der Energie aus der Umwandlung der Sonnenstrahlung. Die Kohle war in der Tiefe gespeicherte Solarenergie aus der Umwandlung von Biomasse in Kohle. Die Zukunft der Zivilisation liegt in der unmittelbaren Umwandlung der solaren Energie in Strom und Wärme. Diesen Wandel drückt das folgende Symbol aus.

Programm pfeil strich.jpg Programm pfeil strich.jpg Programm pfeil strich.jpg

Abb2: Umkehrung der solaren Energiegewinnung

In einer offensiven Annahme der Herausforderung stecken zugleich enorme Chancen für den strukturellen Wandel: Der solare Umbau der Strukturen macht diese zukunftstauglich. Ein energetischer Umbau der Baustrukturen bei gleichzeitiger architektonischer Aufwertung modernisiert das Image des Raumes. Eine hohe Nachfrage nach solaren Techniken und Energiesparlösungen fördert den Umbau der regionalen Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze in Produktion, Handwerk und Dienstleistungen. Ein enger Verbund von Universitäten, Forschung, Umsetzung und Gesellschaft erzeugt einen regionalen Willen und Stolz, führende Region des solaren Zeitalters zu werden. Kurz: Es ist zielführend, diese Herausforderung ganz und mit Leidenschaft anzunehmen.

Handlungsaufgaben

In den Städten und bei zahlreichen Betrieben gab und gibt es seit Jahren Investitionen zur Verminderung der Energiekosten. Ein hinreichender Überblick über die schon getätigten, die laufenden und geplanten Vorhaben ist unverzichtbar, wenn man wissen will, was noch zu tun ist. Will man das Reduktionsziel erreichen, ist daher eine Koordination der wichtigen Akteure in einem regionalen Netzwerk und in jeweiligen lokalen Netzwerken notwendig. Land und Bund wären mit den von ihnen geförderten Vorhaben ebenso einzubinden wie die Gebietskörperschaften, Forschungsinstitute und Energieversorger mit ihrem regionalen Wissen, die großen Wohnungsbau- und Immobiliengesellschaften. Ansatzpunkte dazu gibt es bei den zuständigen Verbänden, Ämtern, Energieversorgern, Aktivgruppen in den Städten, Umweltverbänden, Hochschulen und Parteien. Ein wichtiger erster Schritt ist daher der

Aufbau eines regionalen Kooperationsnetzwerkes für Klima Energie und Raumentwicklung

Das Netzwerk sollte Hochschulen, Städte und Gemeinden, wichtige Verbände, Unternehmen und gesellschaftliche Einrichtungen in einen auf die Klimafrage gerichteten Zusammenhang bringen. Daraus sollte entstehen:

  • Einrichtung einer Koordinationsinstanz
  • Vereinbarung konkreter Ziele + Zeiträume
  • Kooperationsvereinbarungen
  • Einbindung der regionalen Bevölkerung und Akteure
  • Durchführung regelmäßiger Meetings und Konferenzen
  • Internetportal zur Information und Koordination
Aufbau lokaler Netzwerke für jede größere Stadt oder Teilregion

Teilnetzwerke zu unterschiedlichen Themen existieren in jeder Stadt, auf denen aufgebaut werden kann.

Ableitung der Themenfelder für den lokalen und regionalen Umbau

Wichtigste Aufgabe des regionalen und der lokalen Netzwerke wird die Formulierung einer spezifischen Strategie sein, die sich an den grundlegend notwendigen Strukturveränderungen und an den lokalen Besonderheiten orientiert. Dazu können gehören:

  • Grundlagen, Szenarien
  • Klima, Klimaschutz und Luftreinhaltung
  • Energieerzeugung, Energieverteilung, Energiespeicherung
  • Raumstruktur, Freiraum
  • Baustruktur
  • Konstruktion / Stoffe / Abfall
  • Ökonomie
  • Verkehr
  • Wasser / Abwasser
  • Gesellschaft, Soziales (Verhalten, Mitwirkung..).
  • Institutionen
Entwicklungsaufgaben für Hochschulen, Energieversorger und Städte
  • Intelligente Raumstrukturerfassungsprogramme (auf der Basis von Luftbildern: Berechnung der A/V-Verhältnisse, der solaren Kapazität + Verschattung etc. für die gesamte Region): [Geographie/Physik]
  • Klima (Szenarien der Auswirkungen des Klimawandels auf die Siedlungs- und Baustrukturen der Städteregion (u.A. Hitze-Inseln, Starkregen- und Orkanereignisse, Möglichkeiten der planerischen Gegensteuerung) :[Geographie, Physik, Stadtplanung, Meteorologie..]
  • Energie (Strategien zur Ausschöpfung der solaren und geothermischen Energiepotenziale in der Region. Konzepte zu Maximierung der solaren Energieproduktion entlang von anbaufreien Strassen, großflächigen Bauanlagen, Parkplätzen und anderen geeigneten öffentlichen Flächen.) : [Solarforschungsinstitute, Stadtplanung, Landschaftsplanung, Geologie, Bauingenieurwesen]
  • Raumstruktur (Steuerungspotenziale der regionalen Siedlungsentwicklung unter demographischen, ökonomischen, verkehrlichen und klimatischen Aspekten. Neubewertung von Siedlungsräumen). : [Geographie, Stadt- und Landschaftsplanung, Bauingenieurwesen, Stadtökonomie, Physik]
  • Baustruktur (Entwicklung denkmalgeeigneter Elemente solarer Energiegewinnung. Bautypenspezifische Wärmedämmung. Wärme- und Kältespeicherung. Plus-Energiehäuser im Altbaubestand. Strategien gebündelter Modernisierung und gestalterischer Aufwertung mit einer Kostenminderung um den Faktor 0,5) : [Solarforschung, Architektur, Bauingenieurwesen, Bautechnik, Klimatechnik, Denkmalpflege, Baurecht]
  • Verkehr (Bewertung der Gesamtverkehrsplanung der Region im Hinblick auf ihre Zukunfts- und Krisentauglichkeit. Entwicklung extrem leichter elektro-basierter Fahrzeugkonstruktionen (Prototypen) für den öffentlichen- und privaten Regionalverkehr – vorwiegend zunächst als studentische Ideenwettbewerbe) :[Bauingenieurwesen, Architektur, Stadtplanung, Geographie, Maschinenbau-Fahrzeugbau]
  • Ökonomie / Wirtschaft / Finanzen (Zukunftsfähigkeit der regionalen Produktions- und Distributionssysteme. Modernisierung und Umbau der regionalen Wirtschaftstruktur. Höhere Bindung der regionalen Wertschöpfung an den Raum. Strategien zur Minderung der Anfälligkeit gegen äußere Krisen) : [Wirtschaftswissenschaften, Geographie, Stadtplanung, IHK, AGIT]
  • Gesellschaft (Zukunftstauglichkeit der gegenwärtigen Lebensformen. Strategien zur Verhaltensänderung ohne wesentlichen Komfortverlust. Informations- und Kommunikationsformen zur breiten Beteiligung der Bevölkerung an den Veränderungsschritten). [Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissen-schaften, Stadtplanung, Architektur, Geographie, Bauingenieurwesen]
Schritte zu einer CO2 netralen Region
  • Aufbau eines regionalen und lokalen Informationssystems der abgeschlossenen, laufenden und geplanten Projekte/Maßnahmen zur Energieeinsparung und zum Klimawandel. Quantifizierung der Effekte
  • Kartografischer und quantifizierter Überblick über relevante noch nicht verfolgte Minderungsbereiche
  • Größere Ordnungs- und Veränderungsbereiche zur Aufwertung von Stadt- und Landschaftsstrukturen
  • Strategien für Handlungsfelder und Maßnahmen mit den jeweils größten Klimaeffekten
  • Erfassung der energetischen Eigenschaften von Netzen und Bauten (intelligente Erfassungsprogramme auf der Basis von Luftbildern)
  • Strategien zur Energieminderung des Baubestandes nach Lagen, Bau- und Nutzungstypen (Verbesserung des Altbaubestande)
  • Entwicklung von bautypenspezifischen Lösungen zur äußeren Wärmedämmung mit gleichzeitiger architektonischer Verbesserung der Gebäude
  • Entwicklung vom Öl unabhängiger Fahrzeuge für Schiene und Strasse mit Hochschulen und Unternehmen
  • Umstellung des Individualverkehrs auf Elektroantriebe / Aufbau einer Versorgungsstruktur
  • Nutzung der anfallenden Wärme / Geothermie (stillgelegte Bergwerke)
  • Ausbau dezentraler Elektrizitätserzeugung
  • Zentraler Aushub-, Rückbau- und Recyclingverband zur Rückgewinnung von Rohstoffen


Gewerbegebiet baesweiler.jpg

Abb. 3 Energetische Verbesserungspotenziale: Gewerbegebiet bei Baesweiler (Quelle: Google-Earth)

Ein Beispiel für ein Themenfeld : „Energetische, funktionelle und architektonische Verbesserung des Altbaubestandes

Eines der Themenfelder, das an jedem Ort relevant ist, ist die energetische und funktionelle Verbesserung des erhaltenswerten Altbaubestandes. Der Schwerpunkt der bisherigen Verbesserungen lag bei den Beständen im Besitz von Gesellschaften. Der kleinteilige Einzelbesitzer steht vor für ihn kaum lösbaren Informations-, Entscheidungs- und Finanzierungsproblemen. Hier muss daher mit Unterstützung der Städte und des Landes eine treuhänderisch arbeitende Organisation aufgebaut werden, die für ähnliche Bautypen Lösungen und Lösungsvarianten auf dem Stand der Technik erarbeiten lässt und diese als Paketlösungen für unterschiedliche Standards und Ausbauziele berechnen, anbieten und an Hauseigentümer vermitteln kann. Dazu kommen etwa folgende Schritte in Betracht:

  • Erfassung strukturähnlicher Stadtbereiche und Gebäude
  • Entwicklung von Umbaukonzepten mit Universitäten, Architekten, Fachbüros für gleichartige Bestände
  • Hohe fachliche und handwerkliche Qualität der Vorplanung, Entlastung der Eigentümer, hohe Kostenvorteile
  • Entwicklung attraktiver Finanzierungskonzepte mit Bund, Land, Banken und Genossenschaften
  • Gebündelte Ausschreibung für die energetische Modernisierung von 50, 100, 200 strukturgleichen Bauten zur Kostenminimierung
  • Beteiligung und Information der Eigentümer und Mieter an der Lösungssuche
  • Bildung von Bauherrengemeinschaften ganzer Viertel
  • Taktumbau ganzer Strassen und Viertel

Nennenswerte Erfolge mit Gebäuden im Einzelbesitz können wohl nur erzielt werden, wenn den – oftmals älteren oder beruflich ausgelasteten Hausbesitzern – Lösungen vorgeschlagen werden, die für sie tragbar und deren Risiken überschaubar sind und sie zeitlich nicht überfordern.

Luftbild beverau ac.jpg Luftbild remviertel ac.jpg

Abb. 4: Typische aufgelockerte Wohnbebauung: Aachen-Beverau (Quelle: Google-Earth)

Abb. 5: Typische Blockbebauung des 19. Jahrhunderts: Aachen-Rehmviertel (Quelle: Google-Earth)

Planungsprodukte

Ein solcher Prozess würde Stadtgrenzen übergreifende Planungsprodukte erzeugen, die den Verbund zwischen den Elementen des Raumes stärken, lokale Lösungselemente integrieren und den Zusammenhalt des Gesamtraumes verstärken. In einer Zeit lang dauernder Krisen und Gefährdungen sind alle Ansätze, die gemeinsames Handeln und das „Wir-Gefühl“ verstärken, eine der wichtigsten Voraussetzungen, die Zukunft zu meistern. Solche Produkte könnten etwa sein:

  • Regionale und lokale Netzwerke der Zusammenarbeit
  • Regionale und lokale Dialogforen zur Organisation des Wandels
  • Regionaler Strategieplan
  • Regionaler Masterplan Energie + Klima
  • Regionaler Masterplan Verkehr
  • Regionaler Masterplan Raumstruktur
  • Lokale Masterpläne Baustruktur und energetischer Umbau
  • Regionale und lokale Handlungsprogramme
  • Regionale und lokale Jahresfortschrittspläne
  • Die Region Aachen als Lern- und Modellregion zur Bewältigung des Klimawandels

Resümee

Der Raum Aachen könnte Modellraum für die Umwandlung von urbanisierten Regionen für das solare Zeitalter werden. Es gibt ein dichtes Netz von fachlichem und wissenschaftlichem Sachverstand. Es gibt Vorarbeiten auf vielen Feldern und Teilgebieten. Es fehlt jedoch eine übergreifende Strategie mit ehrgeizigen Ziel- und Zeithorizonten und eine alle Initiativen bündelnde Organisation. Diese wird den Verantwortlichen hiermit vorgeschlagen.

Seit Dezember 2008 wurden unter Beteiligung von zahlreichen Instituten der RWTH und Ämtern der Stadt sowie der STAWAG und Altbau+ Vorgespräche zu diesem Themenfeld geführt. Es besteht eine große Bereitschaft, gemeinsam im Rahmen des skizzierten Projektansatzes zusammenzuwirken. Allerdings ist dafür der politische Wille notwendig, diese Aufgabe gemeinsam und koordiniert anzugehen. Den neu gewählten Gremien von Stadt und Städteregion wurde dieser Vorschlag zur Erörterung vorgelegt.

Gerhard Curdes - 7.9.2009

Einzelnachweise

  1. Potsdam Institut für Klimafolgenforschung – Pressemitteilung vom 18.6.2009 / Clima Copenhagen synthesis report web pg. 26: Key Mesage 5 Inaction is inexcusable
  2. Informationsdienst Wissenschaft: Pressemitteilung 16.3.2009: Experten schätzen Anfälligkeit des Klimasystems ein (Potsdam Insti-tut für Klimafolgenforschung)
  3. World Future Council (WFC) und die Hamburger Hafen-City-Universität 4/09
  4. Sustainable Urban Infrastructure Ausgabe München – Wege in eine CO2-freie Zukunft. Siemens / Wuppertal-Institut 2009
  5. Synthesis Report Climate Change Global Risks, Challenges, Decisions. Copenhagen 2009, 10-12. March, S. 36
  6. Wuppertal-Institut/ Siemens / Stadt München:http://www.blogspan.net/presse/siemens-veroffentlicht-studie-zu-munchens-weg-in-eine-co2-freie- zukunft/mitteilung/46100/
  7. Daniel Spreng und Marco Semadeni: Energie, Umwelt und die 2000 Watt Gesellschaft. Center for Energy Policy and Economics, (CEPE), Zürich, 2001. „Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein energiepolitisches Modell, das im Rahmen des Programms Novatlantis an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entwickelt wurde. Gemäß dieser Vision sollte der Energiebedarf jedes Erden-bewohners einer durchschnittlichen Leistung von 2000 Watt entsprechen“. http://de.wikipedia.org/wiki/2000‐Watt‐Gesellschaft
  8. Studie Energie-Region Rhein-Sieg, Austrian Research Center 1/08. http://www.energieregion-rhein-sieg.de/
  9. Ecofys: Untersuchung möglicher Ansatzpunkte bundespolitischer Instrumente zur Förderung des kommunalen Klimaschutzes. 16.2.2009
  10. Claus Leggewie: Schönwetter-Demokraten. In: Die Zeit, 23.Juli 2009, S. 9
  11. Herausgeber: Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) des Landes Nordrhein-Westfalen 40190 Düsseldorf, Stand: April 2008
  12. Stadtentwicklungsbericht 2008. Unterrichtung durch de Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 16/13130

Energetische Erneuerung des Altbaubestandes

Projekt: Konzept für eine räumlich und zeitlich koordinierte regionale Erneuerungspolitik des Altbaubestandes